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von Hendrik Schuldt

Was es bei der Klima-Kompensation in Europa zu beachten gilt

Die Kompensation von unvermeidbaren Emissionen durch Zahlungen an Klimaschutzprojekte ist mittlerweile keine Besonderheit mehr. Menschen und Unternehmen übernehmen immer mehr Verantwortung für ihren individuellen Beitrag zum Klimawandel und zahlen Geld an Kompensationsdienstleister, welches diese dann an Klimaschutzprojekte weiterleiten. Solche Projekte, wie beispielsweise Aufforstungsprogramme, die Bereitstellung von effizienten Kochöfen oder die Errichtung von Biogasanlagen werden zumeist in Ländern des globalen Südens durchgeführt. Also in Ländern, die durch geringe historische Emissionen wenig zum Klimawandel beigetragen haben und noch heute niedrige pro-Kopf Emissionen verursachen. Diese herkömmlichen Modelle zur Klimakompensation stehen aber heute auf dem Prüfstand. Nicht immer ist klar, ob die Emissionsvermeidung korrekt zu messen ist und eine mehrfache Anrechnung der Einsparungen ausgeschlossen werden kann. Eine zentrale Frage ist auch, ob diese Emissionsvermeidung wirklich zusätzlich ist, sie also ohne das konkrete Projekt nicht stattgefunden hätte.

Der ehrenamtlich arbeitende Verein Compensators ist eine Alternative zu klassischen Kompensationsdienstleistern: Für jede Spende im Umfang einer Tonne CO₂ kauft Compensators ein CO₂-Zertifikat aus dem Europäischen Emissionshandel und legt dieses dauerhaft still. Kohle- und Gaskraftwerke sowie große Industriebetriebe in Europa dürfen nur so viel CO₂ ausstoßen, wie sie CO₂-Zertifikate besitzen, dazu verpflichtet sie der europäische Emissionshandel. Jedes Zertifikat, das Compensators kauft und stilllegt, fehlt einem Unternehmen zur Abdeckung seiner Emissionen. Das heißt: Diese eine Tonne darf nicht mehr emittiert werden. Wenn die zur Verfügung stehenden Zertifikate knapper werden, steigt ihr Preis und es lohnt sich für Unternehmen in klimaschonende Technologien und Prozesse zu investieren.

Die Compensators-Methode bietet vier wesentliche Vorteile gegenüber klassischen Methoden zur Klimakompensation:

  1. Compensators vermeidet Emissionen innerhalb Europas, einer Region, die aufgrund hoher historischer Emissionen viel zur Entstehung des Klimawandels beigetragen hat, und mit sehr hohen pro-Kopf Emissionen auch heute noch tut. Für die Realisierbarkeit von ehrlicher und ambitionierter internationaler Klimapolitik ist es unverzichtbar, dass die Europäische Union so stark und so schnell wie möglich ihre Treibhausgasemissionen reduziert. Die Auslagerung der Reduktionen in Länder des globalen Südens ist das falsche Signal.

 

  1. Ein erfolgreicher und zügiger Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft erfordert Investitionen in die Erforschung und Entwicklung von den grünen Technologien von morgen. Ein CO2-Ausgleich mit Compensators erhöht den Preis für Luftverschmutzung, was die Profitabilität von Investitionen in grüne Innovation erhöht und den Übergang zu einer dekarbonisierten Gesellschaft beschleunigt. Klassische Kompensation in Ländern des globalen Südens ist hingegen nicht in der Lage, die ökonomischen Anreizstrukturen von hochtechnologischen und emissionsintensiven europäischen Industrien zu beeinflussen.
  1. Eine Studie des Öko-Instituts legt nahe, dass bei vielen klassischen Klimaschutzprojekten zur Kompensation die Einsparung von einer Tonne nicht ausschließlich auf die Zahlung des Kunden zurückzuführen ist. Viele Klimaschutzprojekte fußen auf profitablen Geschäftsmodellen wie beispielsweise der Bereitstellung von erneuerbarer Energie, sodass sie auch ohne die Finanzierung durch Kompensationsdienstleister interessant für Investoren sind. Das bedeutet, die Einsparungen dieser Projekte waren nicht zusätzlich, sie hätten ohnehin stattgefunden. Compensators legt aber CO2-Zertifikate still, die bereits auf dem Markt sind, also andernfalls zur Verschmutzung genutzt worden wären. Die Vermeidung von Emissionen kann also zweifelsfrei allein auf die Spendenleistung zurückgeführt werden.
  1. Die Messung der Einsparungen durch Compensators wird von der Europäischen Union übernommen. Sie muss sicherstellen, dass ein CO2-Zertifikat auch einer Tonne CO2 Dazu werden tatsächliche Emissionen im Rahmen des sogenannten Erfüllungszyklus überwacht, gemeldet und überprüft. Die Compensators-Methode profitiert davon insofern als dass für die Messung der Einsparung keine zusätzlichen Kosten anfallen, dessen Korrektheit und Qualität aber von der Europäischen Union garantiert wird. Klassische Kompensationsdienstleister müssen dazu auf eine Vielzahl von Anbietern mit diversen Projektstandards und unterschiedlicher Güte zurückgreifen.

 

Mit der Compensators-Methode steht ein effektiver Mechanismus zur Verfügung, um Ihren Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel zu leisten. Compensators arbeitet ausschließlich ehrenamtlich, sodass Zahlungen zur Kompensation von Emissionen zu 100 Prozent in den Klimaschutz fließen können. Die Mitgliedschaft von CO2free und die Zusammenarbeit von Compensators und CO2free sind für uns und unsere Arbeit wichtig.
Die Sensibilisierung für digitalen Klimaschutz per App halten wir für einen sehr guten Ansatz.

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Hendrik Schuldt ist Vorstandsmitglied bei Compensators e.V. und über info@compensators.org zu erreichen.